Barrierefrei Bauen – Behindertengerecht und altersgerecht

Im Laufe eines Lebens können zahlreiche unvorhergesehene Dinge passieren. Zum Teil auch Unfälle, die zu einer körperlichen Behinderung führen. Aber auch das steigende Alter führt dazu, dass man körperlich nicht mehr zu allen Dingen fähig ist. Um das bei einem Neubau vorzeitig mit in Betracht zu ziehen, sollte man barrierefrei bauen. Aber was bedeutet das? Worauf muss man achten?

Was heißt Barrierefrei Bauen? – Tipps und Tricks

Barrierefrei Bauen beutetet, dass jeder Mensch die wohnlichen Gegebenheiten in vollem Umfang nutzen kann, egal ob jung, alt, gebrechlich, körperlich eingeschränkt oder behindert. Das bedeutet natürlich, dass der Bau so beschaffen sein muss, dass man beispielsweise auch mit Gehilfe und Rollstuhl überall hinkommt und alles nutzen kann. Aber was muss man dafür tun? Baut man neu, kann man viele Dinge schon vorher einplanen. Denn man sollte sich immer bewusst machen: Einen Unfall kann jeden treffen und meist möchte man auch in dem Haus alt werden was man sich gebaut hat. Wichtig ist daher alle Eventualitäten einzuplanen. Man muss nicht alles einbauen, aber man kann es bei einem Neubau vorsehen. Hierbei ist die grundlegende Devise, möglichst viel Spielraum lassen und die Durchgänge möglichst breit gestalten.

Türen

Alle Türen bei uns im Haus sind 1 Meter breit und somit mit dem Rollstuhl befahrbar.
Alle Türen bei uns im Haus sind 1 Meter breit und somit mit dem Rollstuhl befahrbar.

Die Breite einer Tür sollte so beschaffen sein, dass man mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe ohne Probleme durchkommt. Beim Bau sollte man dementsprechend schon vorher breite Türen einbauen. Das kostet nur einen Bruchteil mehr. Könnte sich aber später bezahlt machen. Um die Türen barrierefrei zu gestalten sollten die Türen eine Breite von ca. 1 m haben. Wichtig ist jedoch auch, darauf zu achten, dass im Umkreis der Türen auch genügend Wendekreis ist.

Treppen

Die Treppe ist so breit gebaut, dass im Notfall an ihre Stelle ein Fahrstuhl eingebaut werden kann.
Die Treppe ist so breit gebaut, dass im Notfall an ihre Stelle ein Fahrstuhl eingebaut werden kann.

Will man beim Neubau trotzdem eine Treppe einbauen, sollte man darauf achten, dass sie so groß geplant wird, dass man später entweder einen Treppenlift einbauen kann oder dass sogar so viel Platz ist, dass später ein Lift bzw. Fahrstuhl nachgerüstet werden kann. Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass auf der Ebene mit barrierefreiem Zugang alles Wichtige vorhanden ist, also ein Schlafraum, ein Bad mit ebenerdiger Dusche und eine Küche mit entsprechend hohen Schränken. So ist man nicht unbedingt auf die anderen Ebenen des Hauses angewiesen und kann sich als Rollstuhlfahrer auf der barrierefreien Ebene aufhalten. Die Treppe bzw. ein Lift wird dann gar nicht benötigt.

Bei der Eingangstreppe zum Haus sollte so geplant werden, dass später eine Rampe nachgerüstet werden kann, oder man baut gleich eine Rampe ein.

Eingangsbereich und Diele

Der Eingangsbereich und die Diele sollte so gestaltet werden, dass die Diele ohne Stufen oder über eine Rampe erreichbar ist. Wer dennoch eine Treppe am Eingangsbereich baut, sollte beachten, dass der Neigungswinkel und die Höhe der Treppe so geplant wird, dass später eine Rampe nachgerüstet werden könnte. Darüber hinaus können Bewegungsmelder hilfreich sein, damit der Rollstuhlfahrer nicht erst zum Lichtschalter muss. Das Licht sollte ausreichend lang an bleiben, damit man bis zum Ziel kommt. Auch ein großer Dreh- und Wendekreis ist wichtig, damit sich der Rollstuhlfahrer frei bewegen kann und nicht auf andere angewiesen ist. Optimal ist eine Fläche von 1,5m x 1,5m. Störende Teppiche, die rutschen könnten, sollte man entfernen. Stufen sollten möglich nicht vorhanden sein.

Es sollte also folgendes beachtet werden:

  • Stufenlos oder Rampe
  • Bewegungsmelder, die ausreichend lange geschaltet sind
  • Ausreichend Dreh und Wendekreis (optimal ist 1,5m x 1,5m), so dass man sich mit einem Rollstuhl frei bewegen kann.
  • Keine Teppiche

Bad

Ebenerdige Dusche ohne Stufe
Ebenerdige Dusche ohne Stufe

Im Bad ist es wichtig, eine Ebenerdige Dusche bzw. Bodengleiche Dusche ohne Stufe einzubauen. Nur so kann man die Dusche mit einem Rollstuhl uneingeschränkt nutzen. Hierbei ist natürlich auf einen ausreichend großen Aktionsradius in der Dusche und beim Eingang der Dusche zu achten. Es nützt nichts, wenn ein Rollstuhlfahrer in die Dusche reinkommt, aber nicht wenden kann. Darüber hinaus sollten in der Dusche Haltegriffe angebracht werden. Auch am WC sollte eine Haltestange angebracht werden, damit man als behinderter Mensch die Toilette nutzen kann. Das Waschbecken sollte auf Rollstuhlhöhe angebracht werden und auch mit einem Haltegriff versehen werden. Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass das Waschbecken unterfahrbar ist. Der Spiegel muss auf Sichthöhe des Rollstuhlfahrers angebracht werden.

Es sollte also folgendes beachtet werden:

  • Ebenerdige Dusche mit Haltegriffen
  • Keine Stufen
  • Ausreichend großer Aktionsradius in der Dusche
  • WC mit Haltestange bzw. Haltegriff
  • Waschbecken auf Rollstuhlhöhe und mit Haltegriff
  • Waschbecken unterfahrbar
  • Spiegel auf Sichthöhe, auch vom Rollstuhl aus

Küche

In der Küche sollte man auf einiges achten, damit sie auch von Rollstuhlfahrern uneingeschränkt und selbstständig genutzt werden kann. Es sollte ausreichend Stauraum vorhanden sein, auf den die Rollstuhlfahrer zugreifen können. Arbeitsflächen sollten zumindest zu einem Teil auf Rollstuhlhöhe sein. Das Spülbecken sollte eine Armatur mit einer ausziehbaren Brause haben. Backofen, Spülmaschine und andere Arbeitsgeräte sollte so positioniert werden, dass man sie auch mit einem Rollstuhl bedienen kann. Wenn es möglich ist, sollte ein Teil der Arbeitsfläche für Rollstuhlfahrer so gestaltet werden, dass darunter ein Freiraum ist und der Rollstuhl darunter fahren kann.

Es sollte also folgendes beachtet werden:

  • Ausreichend Stauraum
  • Ausziehbare Spülbrause
  • Schränke auf Rollstuhlhöhe
  • Arbeitsfläche zum Teil unterfahrbar

Schlafzimmer

Rund um das Bett sollte man ausreichend Wendemöglichkeiten haben, damit man gut in das Bett kommt. Die Schränke sollten für Rollstuhlfahrer zugänglich sein. Darüber hinaus ist natürlich auch ausreichend Stauraum für Kleidung in erreichbarer Höhe notwendig.

Es sollte also folgendes beachtet werden:

  • Ausreichend Stauraum
  • ausreichend Wendemöglichkeiten

Allgemeine Empfehlungen

Alles sollte so geplant werden, dass immer ausreichend Aktionsradius vorhanden ist. Als Minimum sollte man hier immer eine Fläche von 1,5m x 1,5m haben. Insbesondere vor Schränken sollte ausreichend Wendeplatz vorhanden sein. Lange schlauchartige Räume sind da eher hinderlich. Die Steckdosen und Lichtschalter sollten auch vom Rollstuhl aus erreicht werden können. Sämtliche Stolperfallen wie Teppiche sollten vermieden werden. Generell sollten alle Böden eben sein und keine Stufen enthalten. Die Fenstergriffe sollte auch für Rollstuhlfahrer erreichbar sein. Bei bodentiefen Fenstern sollte man nach außen zur Terrasse keine Stufe haben. Darüber hinaus sollten die bodentiefen Fenster auch breit genug sein, damit man mit einem Rollstuhl nach draußen auf die Terrasse fahren kann. Also entweder macht man ein bodentiefes Fenster mit 1 Meter Breite oder man baut ein zweiflügeliges Fenster ohne feststehenden Rahmen in der Mitte. Auch das Klima und die Raumtemperatur sollte natürlich für Rollstuhlfahrer einfach regelbar sein. Am besten mit einem Raum-Temperaturregler in entsprechender Höhe.

Es sollte also folgendes beachtet werden:

  • Ausreichend Aktionsradius und Wendemöglichkeiten
  • Keine Stolperfallen
  • Keine Stufen
  • Steckdosen in erreichbarer Höhe
  • Lichtschalter in erreichbarer Höhe
  • Raumtemperatur-Regler auf Rollstuhlhöhe
  • möglichst keine schlauchartigen Räume

Fazit

Will man bei einem Neubau vorsorgen und barrierefrei planen, sollte man einige Details beachten, wie die Türbreite, die Treppenanlage, die Eingangstreppe und die Wendekreise für einen eventuellen Rollstuhleinsatz. Man sollte all das einplanen, was später nur mit viel Aufwand nachgerüstet werden kann. Auf lange schlauchartige Räume sollte man verzichten. Eine Küche mit den entsprechend hohen Schränken kann später eingebaut werden, eine ebenerdige Dusche auch. Es ist entsprechend kaum mit Mehrkosten verbunden, gleich bei einem Neubau „barrierefrei zu denken“ und alles genau zu planen. Ein barrierefreies Haus ist auch besser zu verkaufen, als ein nicht behindertengerechtes Haus.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.